Eine Autismusambulanz für Lviv

Willkommen in meiner Welt! Leben mit Autismus

Ein Kooperationsprojekt des Eine Welt e.V. Leipzig, des Internationalen Bildungs- und Sozialwerkes und dem Kolpingwerk in der Ukraine

In der Ukraine leben Menschen mit Autismus sehr isoliert, meist in Heimen mit 100 bis 200 anderen Menschen mit Behinderung oder in der Familie. Es existiert von staatlicher Seite keine Form der Unterstützung, da Autismus nicht als „Behinderung“ bzw. Beeinträchtigung anerkannt ist. Geschuldet ist dies dem mangelnden Wissen über Autismus, vor allem von staatlicher Seite. Betroffene Eltern dagegen haben bereits begonnen, sich mit dem Thema intensiv auseinander zu setzen. Leider gibt es nur wenig Material (vor allem in ukrainischer und russischer Sprache) anhand dessen sie sich Wissen aneignen könnten. Eine qualitative Förderung ist so nicht möglich. Häufig sind es private Initiativen, wie die des Kolpingwerkes in Lviv (Lemberg), die Angebote machen. Leider basiert auch hier die Förderung nur auf einem rudimentären Fachwissen, welches sich Katharina, die Leiterin des Zentrums „Offenes Herz“ auf internationalen Kongressen angeeignet hat. Dies können sich aber nur die wenigsten finanziell leisten. Meist sind es PsychologInnen, wie Katharina oder Ärzte, die mit den Kindern arbeiten. FörderpädagogInnen gibt es keine in der Ukraine.

Ziel des gemeinsamen Projektes vom Eine Welt e.V. Leipzig, dem Internationalen Bildungs- und Sozialwerk und dem Kolpingwerk Ukraine ist zum einen der Transfer von Fachwissen und der Austausch bezüglich der Erfahrungen in der Arbeit und dem Leben mit autistischen Kindern und zum anderen der Aufbau einer Autismusambulanz zur Förderung der Kinder. Ein Bereich, in dem bis ausschließlich private Initiativen tätig sind. Deshalb ist neben der Schaffung qualitativ guter Förderangebote auch eine aktive Sensibilisierung und Aufklärung der Öffentlichkeit notwendig und deshalb ebenso Bestandteil des Projektes.

Schritt 1: Erstes Treffen in der Ukraine 2010

Im April 2010 gab es ein erstes Treffen zwischen Vertreter_innen des Eine Welt e.V. Leipzig, der Autismusambulanzen Leipzig und Halle und dem Zentrum „Offenes Herz“ in Lviv. Verbunden war dieses Treffen mit einer Weiterbildung von 4 Tagen, an der ca. 40 Personen teilnahmen. 

Während der Workshops wurde viel diskutiert und Wissen ausgetauscht, so dass die Gäste aus Deutschland mit vielen neuen Eindrücken und ersten Ideen für eine weitere Zusammenarbeit nach Hause fuhren.

Heidemarie Bach (Leiterin der Autismusambulanz Leipzig): „Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Bedürfnisse und die Besonderheiten von Menschen mit ASS in der Ukraine durchaus wahrgenommen werden, aber dass die Qualität und die Quantität der Förderungen, Therapien, Bildungsmöglichkeiten und Wohneinrichtungen noch weit von optimalen Bedingungen entfernt sind.“

Wir vom Eine Welt e.V. Leipzig möchten die Entwicklung in der Förderung von Kindern mit Autismus gemeinsam mit den Autismusambulanzen Leipzig und Halle weiter unterstützen.

Der Austausch wurde unterstützt durch die Stiftung West-Östliche Begegnung und Aktion Mensch

Schritt 2: Weiterbildung von ukrainischen Fachkräften in Deutschland

Von September 2011 bis Dezember 2011 absolvieren zwei Fachkräfte und Projektmitarbeiterinnen aus Lviv ein Praktikum in der Autismusambulanz Leipzig und Halle. Oksana und Maria, beides Psycholog_innen, nehmen drei Monate aktiv an der Arbeit der Autismusambulanzen teil und erhalten dabei Einblick in alle Arbeitsprozesse. Hierzu zählt der administrative Bereich ebenso wie die Teilnahme an Fördermaßnahmen und der Besuch des integrativen Kindergartens. Ziel ist es , ein Beispiel  der Arbeit mit autistischen Kindern  kennen zu lernen, um anschließend eine Idee von der Struktur und der Arbeit der Ambulanz in Lviv zu entwickeln. Sie werden dabei von den Fachkräften der beiden Ambulanzen begleitet und unterstützt.

Im September war ebenfalls die Projektleiterin aus Lviv Katerina Ostrovska für zwei Wochen in Leipzig, um die Arbeit der Ambulanz kennen zu lernen und sich fachlich mit den Mitarbeiter_innen auszutauschen. Sie hatte die Gelegenheit sowohl die Planungs- und Leitungsebene als auch die ganz praktische Arbeit kennen zu lernen. Katerina Ostrovska ist mit vielen vielen Eindrücken und Ideen nach Hause gefahren und wird nun mit der Projektplanung vor Ort beginnen.

Im April 2012 fuhren zwei Mitarbeiterinnen der Autismusambulanz Halle nach Lviv, um Fortbildungen zum Thema Strukturierung und Einrichtung einer Ambulanz durchzuführen und mit den Fachkräften vor Ort einen Erfahrungsaustausch zu machen. Für beide war die Reise sehr spannend, auch wenn sie zwischendurch die Hoffnung auf den positiven Effekt ihren Engagements fast aufgegeben hatten. Viele gute Impulse haben sie der Projektkoordinatorin und den Mitarbeiterinnen gegeben, die bereits jetzt erste Entwicklungen zeigen. Tagespläne wurden sowohl für den Kindergarten als auch für die Tagesgruppe Erwachsene erstellt. Es wird mit Bildkarten gearbeitet und die Kinder am täglichen Ablauf aktiv beteiligt.

Wir sind immer wieder dankbar für diese fachliche Unterstützung durch die Autismusambulanz Leipzig und Halle sowie dem Internationalen Bildungs- und Sozialwerk, als Träger.

Schritte 3 Autismusambulanz wird eröffnet…

Die Räume für die Einrichtung sind gekauft und werden nun erst einmal hergerichtet, um sie den Bedürfnissen anzupassen. Bei der Renovierung ist aufgefallen, dass die Einrichtung keine Heizung hat bzw. nur eine mobile, die auf Dauer sehr teuer wird. Die Kosten für den Einbau der Heizung belaufen sich auf 3000 Euro, eine Summe, die wir nicht ohne weiteres aufbringen können. So sind wir über jede Spende froh, die uns hierfür erreicht. 500 Euro haben wir bereits von einer Tippgemeinschaft bei der EM. Am 29.9.2012 findet eine Spendenaktion statt, organisiert von Carlo, einem Studenten aus Leipzig. Im Rahmen einer Lehrveranstaltung sollen die Studenten eine Spendenaktion selbst planen und durchführen, die einem Verein oder einem Projekt zu Gute kommt. Das nennt man Service Learning. Ein gute Sache finden wir und freuen uns darüber, dass Carlo unser Projekt ausgewählt hat.

Die Arbeit in Lviv geht natürlich weiter. Eine gute Nachricht ist, dass die Tagesbetreuung für Kinder nun staatlich finanziert wird. Die Räume wurden renoviert und es werden drei Pädagog_innen bezahlt. Wenn die Bezahlung auch klein ist, so ist dies doch ein erster Erfolg des Engagements vor Ort. Aufgrund dessen, dass dieser Bereich nun abgedeckt wird, haben wir uns entschieden in der neuen Einrichtung eine Tagesbetreuung für Jugendliche und Erwachsene zu starten. „Es ist ein Experiment“ sagt Katerina Ostrovska, die Koordinatorin des Projektes in Lviv, „wir haben damit keine Erfahrung, aber wir möchten es gerne machen.“ Neben der Erwachsenenbetreuung wird es Einzelförderung in einem speziellen Raum geben.

Trotz dessen, dass die Einrichtung noch im Umbau ist, wurde mit dem „Experiment“ bereits begonnen. Zur Zeit können noch andere Räume genutzt werden, die aber nicht wirklich ideal sind. Wir freuen uns auf die Eröffnung der neuen Einrichtung im Oktober 2012.

Stand des Projektes Juni 2013

Leider ist es uns bis jetzt nicht gelungen, die Einrichtung zu eröffnen. Zunächst fehlte Geld für den Einbau einer Heizung. Dieses haben wir letztes Jahr gesammelt und die Heizung konnte Anfang 2013 eingebaut werden. Anschließend wäre noch eine Renovierung der Räume notwendig und der Umbau des Toiletten – und Waschbereichs für einen barrierefreien Zugang. Hierfür sammeln wir momentan noch Geld, da die Kosten im Budget noch nicht berechnet wurden. Die benötigte Summe muss noch kalkuliert werden. Einen Teil des Geldes versuchen wir über Spenden einzuwerben. Das Kolpingwerk Ukraine ist bemüht, hierfür Fördermittel zu finden. Wir freuen uns über jede Unterstützung. Spenden Sie jetzt!

August 2013 WIR haben es geschafft!!

Das Tageszentrum für Menschen mit Autismus konnte im August nach einer umfangreichen Renovierung eröffnet werden. Zur Zeit kommen ca. 8 Jugendliche und Erwachsene in die Einrichtung und können eine Betreuungszeit von 1 – 6 Stunden in Anspruch nehmen. Es soll gemeinsam gekocht, gespielt, gelernt und Sport getrieben werden.

Die Arbeit wird von zwei Fachkräften (Psychologinnen) durchgeführt und durch Freiwillige aus Deutschland unterstützt.

Die Einrichtung verfügt über einen großen Gruppenraum, einen Empfangsbereich, einen Ruheraum, Küche und Bad.

 

Die Krise in der Ukraine

Leider hat die Krise in der Ukraine momentan auch Auswirkung auf unsere Arbeit vor Ort. Geplant war ab 2014 eine Finanzierung der Einrichtung über die Stadt. Diese Verhandlungen sind momentan ins Stocken geraten. Für uns ergibt sich hieraus das Problem, dass wir nicht wissen, wie wir die Stellen gut finanzieren können. Deshalb können die Mitarbeiterinnen nicht langfristig angestellt werden. Dies führt dazu, dass es hier einen permanenten Wechsel gibt. Wir hoffen, dass sich diese Situation wieder verbessern wird. Langfristig kann die Einrichtung nur über Gelder der Stadt Lviv finanziert werden.

Wir sind dennoch dankbar über jede finanzielle Unterstützung momentan. Spenden Sie gerne auf unser Spendenkonto.

Möchten Sie auch weiterhin regelmäßig informiert werden, dann abonnieren sie unseren Newsletter Projekte & Freiwilligendienste über ed.gizpiel-tlewenienull@naitsabes

Bei Fragen wenden Sie sich an die Projektkoordinatorin Martina Glass per mail: moc.liamgnull@gizpieltlewenie.anitram oder per Telefon: 0341/3010143.

Das Projekt wurde finanziell unterstützt durch

Aktion Mensch

Koplingwerk Ukraine

Software AG Stiftung

Katholischer Fonds Renovabis